“Merkel jagen” oder “Auf die Fresse”

Tolle neue Welt. Die einen (rechts) wollen “Merkel jagen” (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-alexander-gauland-wir-werden-frau-merkel-jagen-a-1169598.html), die anderen (links) drohen mit “auf die Fresse” (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/andrea-nahles-spd-opposition-bundesregierung/).

Auch wenn jetzt manche versuchen zu relativieren, es war doch nur ein Scherz (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/andrea-nahles-und-ihr-in-die-fresse-zitat-vorsicht-vor-dem-schredder-a-1170399.html):

  • Solche Scherze macht man nicht, auch nicht im Scherz.
  • Mir ist scheißegal, ob mich ein Nazi jagt oder ob mir ein Linker auf die Fresse gibt. Ich will beides nicht.
  • Die AfD-Wähler wissen nun endlich, daß die Äußerungen des Herrn Gauleiters ja nicht schlimm sein können: “Die Nahles redet ja auch so…”
  • Die SPD hat damit das geschafft, was selbst Seehofer nicht gelungen ist: Die AfD rechts zu überholen. Klar, nicht inhaltlich, aber in der Sprache.

Nur zur Erinnerung: “Politik” ist verwandt mit dem englischen “polite”.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Red_stylized_fist.svg

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Wie man Kunden vergrault, AfD-Version, Runde 2

Geraume Zeit war es ruhig auf diesem Blog, aber jetzt muß ich mal wieder verkünden: Ich wähle niemanden, der meine Wünsche und geltendes Recht ignoriert. Einmal ist ein Versehen, zweimal ist dann schon Doofheit. Selbe Sachlage wie im Beitrag von 2016:

Geraume Zeit war es ruhig an der Briefkastenfront. Heute lag dann ein Flyer der AfD drin. Tja, liebe AfD: wenn Eure Alternative darin besteht, meine Wünsche (“Keine Werbung”) am Briefkasten zu ignorieren, dann werde ich einfach Euren Wunsch ignorieren, gewählt zu werden. Ok, ich hätte Euch auch so nicht gewählt, aber nun habe ich noch einen Grund mehr.

Und solange Ihr noch nicht den “Föhrer” stellt, gilt immer noch die Rechtssprechung der Bundesrepublik Deutschland. Darf ich Euch darum auf folgendes Urteil aufmerksam machen?

BGB §§ 903, 862, 823 I, 1004 – Aufkleber mit Verbot zur Briefkastenwerbung gilt auch für politische Parteien

So, und jetzt gründe ich die BEGIDA = Briefkasteneigentümer gegen Infiltration durch AfD-Werbung.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Trash_Can_23.svg

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Love & Peace 2017

Ich schau grad auf Youtube die Hardwell-Show vom “Ultra Music Festival” in Miami. Es geht also doch noch: Tausende junge Menschen die offen ihre Herkunft zeigen durch geschwenkte Fahnen oder nationalfarbliche Bekleidung und sich trotzdem nicht gegenseitig umbringen.

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Darum (Skript-)Blocker

Mätzchen, wie oben abgebildet, sind der Grund, warum ich auf meinen PCs weiterhin aggressiv gegen Skripte und 3rd-Party-Content vorgehen werde. Man weiß ja nicht, was für eine Seite der “History Stealer” einem da in die Browserhistory schmuggelt… Ist im vorliegenden Fall nur Werbung, könnte aber leicht auch justiziabler Content sein:

(function(window, location) {
history.replaceState(null, document.title, location.pathname+"#!/history");
history.pushState(null, document.title, location.pathname);
window.addEventListener("popstate", function() {
if(location.hash === "#!/history") {
history.replaceState(null, document.title, location.pathname);
setTimeout(function(){
location.replace("https://werbelink entfernt");
}, 0);
}
}, false);
}(window, location));

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Smart Fehler?

Aktuell gingen einige Meldungen durch die Medien, daß diese neumodischen Smartmeter herrlich falsch messen können.

Eine Festellung dazu ist: Es betrifft hauptsächlich (phasenanschnitt)-gedimmte LED-Beleuchtung (siehe Golemartikel).

Zum anderen möchte ich mal wieder etwas die Begrifflichkeiten geraderücken: Das “smart” in Smartmeter wird üblicherweise verstanden als “speichert/verarbeitet/überträgt die Messwerte digital”. Dieser Schritt liegt nach der Erfassung der Messwerte und sollte keine Messfehler produzieren. Jedenfalls nicht wesentlich mehr, als jetzt schon in der Kette “Zähler im Keller – Ableser – Netzbetreiber – Stromversorger – Kundenrechnung”.

Aber wieso hat die Uni Twente dann Meßfehler gefunden? Weil die Smartmeter nämlich auch neue nichtmechanische Meßwerke haben. Man hätte vermutlich problemlos die “alten” elektromechanischen Zählwerke (aka Ferraris-Zähler) smart machen können, indem man statt des mechanischen Zählwerks ein elekronisches Zählwerk mittels Lichtschranke ankoppelt. Aber zwei einfache, bewährte Technologien zu koppeln war vermutlich nicht fancy, smart und digital genug…

http://boingboing.net/2017/03/11/unaccountable-algorithms.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Smart-Meter-messen-oft-falsch-3644942.html

https://www.golem.de/news/umstrittene-studie-warum-manche-stromzaehler-extrem-falsch-messen-1703-126656.html

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:GEC_two-rate_electricity_meter_(Rankin_Kennedy,_Electrical_Installations,_Vol_II,_1909).jpg

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Kein Rot? Eine Bildanalyse.

Derzeit geistert durch das berufsverblüffte Internet ein blaustichiges Bild von Erdbeeren und alle wundern herum, wie toll doch unser Gehirn ist, weil es da Rot sieht.
Original auf Twitter Vice.com SPON Bento Boing Boing

Ich will die Leistung unseres Gehirns nicht kleinreden. Immerhin gelingt es ihm, mit einem mangelhaften optischen System ein weitgehend farbkorrektes, bewegtes Weitwinkelbild in 3D aufzunehmen und darin Objekte räumlich zu identifizieren (https://xkcd.com/1080/):

Trotzdem will ich versuchen, die Hysterie um das Bild mal etwas zu dämpfen. Es wird zuallererst immer behauptet “Da ist kein einziger roter Pixel.” Was bedeutet aber “roter Pixel”? Ein Pixel ist dann wahrnehmbar rot, wenn sein Rotkanal deutlich höhere Werte aufweist als Blau- und Grünkanal. In diesem Sinne stimmt es: kein roter Pixel.

Ein Bekannter auf Facebook hat einfach mal den Filter “Verblasste Farben korrigieren” eines Bildbearbeitungsprogrammes darüberlaufen lassen und ein ziemlich realistisches Bild roter Erdbeeren bekommen. Woher weiß das Programm nun, was Erdbeeren sind und wie sie aussehen müssen? Antwort: gar nicht.

Jetzt kommt die Magie bzw. die Aufklärung des Denkfehlers. Im Bild ist offensichtlich kein roter Pixel. Das heißt aber nicht, daß dort gar keine Informationen über die roten Bildbestandteile wären. Schaut man sich die Farbkanäle einmal einzeln an, so sieht man, daß der Rotkanal nur zusammengestaucht und nach links gerückt ist. Der Rotkanal wirkt im Gegensatz zu Blau und Grün dementsprechend “matschig”:

Jetzt kann man mit der manuellen Histogrammkorrektur in wenigen Sekunden schon halbwegs sinnvolle Farben herauskitzeln. Der Rotkanal wird aufgespreizt, Blau und Grünkanal werden etwas abgedunkelt:

Und genau das machen im Prinzip auch die Automatik in Photoshop, die traditionelle Weißabgleich sowie das menschliche Auge.

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Minimalismus falsch verstanden

Beim morgendlichen Durchstöbern des RSS-Nachrichtenfeeds fiel mir folgender Artikel von Zeit Online auf:
Alles mein

Anrißtext:

Besitz belastet, sagen die neuen Minimalisten. Sie wollen alles wegtauschen, verkaufen, loswerden. Was für ein Unsinn!

Erster Satz: Isso. Eigentum verpflichtet – auf verschiedenen Ebenen. Der letzte Satz ist Meinung der Autorin, steht also außerhalb der Diskussion. Im zweiten Satz unterläuft ihr aber ein Pauschalisierungsfehler: Minimalisten wollen nicht alles loswerden, sondern das Überflüssige.

Wenig später setzt Frau Tutmann menschliche Beziehungen und Beziehungen zu Gegenständen auf die selbe Ebene:

Wie soll jemand, der nicht mal bereit ist, ein altes T-Shirt aufzubewahren, Menschen die Treue halten?

Meine spontane Antwort (wie auch so ähnlich von Kommentatoren unter dem Artikel gegeben): Wie soll jemand Zeit für Menschen haben, der nur damit beschäftigt ist, seine alten T-Shirts zu hegen und zu pflegen? Auch hier zeigt sie wieder ihr Unverständnis der minimalistischen Lebensweise: die Autorin meint offenbar, Minimalisten müßten noch das letzte Hemd (bzw. T-Shirt) weggeben wollen. Falsch. Richtig ist: Minimalisten kaufen kein neues T-Shirt, wenn das alte noch einen Wert hat. Dieser kann durchaus in Erinnerungswert bestehen.

Diese Verwechslung zieht sich weiter durch den Artikel:

Wer nichts besitzt, hat sich von allem Überflüssigen getrennt und sein Leben im Griff.

Rein logisch ist richtig: Wer nichts besitzt, hat sich von allem überflüssigem getrennt. Das ist aber nur die halbe Aussage. Rein logisch gilt ebenso: Wer nichts besitzt, hat sich auch von allem notwendigen getrennt. Das ist kein Minimalismus, sondern Nihilismus. Im Verständnis von Frau Tutmann wäre der Film My Stuff schon nach wenigen Minuten zu Ende, wenn Petri seine Sachen in der Storagebox versteckt hat:

Frau Tutmanns Standpunkt wird auch nicht richtiger, wenn sie auf die Cloud schimpft:

Was sich digitalisieren lässt – Bücher, Musik, Bilder, Filme –, versteckt er in seiner unsichtbaren Rumpelkammer: der Cloud.

Echter Minimalismus verschiebt das physische Zuviel nicht einfach ins Digitale. Denn auch in der Cloud gilt: alles unnötige belastet. Weniger ist mehr. Allein schon unter Privacygesichtspunkten.

Auf einer Internetseite, die den minimalistischen Lebensstil als Mittel gegen eigentlich alles feiert…

Aha, da läuft der Hase. Frau Tutmann vergisst, daß eine Eigenschaft des Kapitalismus die Einvernahmung jeglicher Gegenströmung ist. Religion, Rock, Punk, Öko, … Alles wurde in den Kommerz integriert. Darum gibt es auch beim Minimalismus zunehmend Webseiten und (käufliche!) Ratgeberbücher, die den übertriebenen, fanatischen Minimalismus feiern, auf den sich die Autorin hier einschießt.

Meine Vase, mein Kleid, mein Armband: Mein Besitz erzählt, wer ich bin

Mmmm… Ich erzähle lieber selber, wer ich bin 😉

Wer nichts besitzt, offenbart seine Beziehungsunfähigkeit. Besitzer dagegen legen sich fest. Sie kümmern sich, sie reparieren, sie pflegen. Sie signalisieren, dass sie Andenken bewahren und damit nicht nur Dingen die Treue halten, sondern auch dem Erlebten.

Und dann sind Besitzer möglicherweise festgelegt und unfähig, sich auf neue Situationen einzustellen. Ich weiß nicht, ob ich das besser finde. Und im letzten Satz widerspricht sich die Autorin schon selbst: soll ich nun den Dingen die Treue halten oder dem Erlebten. Letzteres geht auch ohne Dinge. Man nennt es Gedächtnis.

Soweit ich das sehe, gehört Frau Tutmann zu den Menschen, die zur Erinnerung, zur Selbstdefinition Dinge benötigen. Das wird bei (echten) Minimalisten zwar ein Kopfschütteln auslösen, aber mehr auch nicht. Wie ich oben schon mehrfach andeutete, besteht echter Minimalismus nicht darin, nichts zu haben, sondern die richtigen Dinge zu haben. Das Schlußwort überlasse ich darum den Profis von The Minimalist:

Possessions can make us happier, but only if we own the right things.

I should note that this doesn’t mean possessions are a replacement for experiences and relationships and a rich internal life: most ideally, the things we own are mere additions to a fulfilled existence. They add spice to something that’s already satisfying and satiating.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blue_Unknot.png

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