Smart Fehler?

Aktuell gingen einige Meldungen durch die Medien, daß diese neumodischen Smartmeter herrlich falsch messen können.

Eine Festellung dazu ist: Es betrifft hauptsächlich (phasenanschnitt)-gedimmte LED-Beleuchtung (siehe Golemartikel).

Zum anderen möchte ich mal wieder etwas die Begrifflichkeiten geraderücken: Das “smart” in Smartmeter wird üblicherweise verstanden als “speichert/verarbeitet/überträgt die Messwerte digital”. Dieser Schritt liegt nach der Erfassung der Messwerte und sollte keine Messfehler produzieren. Jedenfalls nicht wesentlich mehr, als jetzt schon in der Kette “Zähler im Keller – Ableser – Netzbetreiber – Stromversorger – Kundenrechnung”.

Aber wieso hat die Uni Twente dann Meßfehler gefunden? Weil die Smartmeter nämlich auch neue nichtmechanische Meßwerke haben. Man hätte vermutlich problemlos die “alten” elektromechanischen Zählwerke (aka Ferraris-Zähler) smart machen können, indem man statt des mechanischen Zählwerks ein elekronisches Zählwerk mittels Lichtschranke ankoppelt. Aber zwei einfache, bewährte Technologien zu koppeln war vermutlich nicht fancy, smart und digital genug…

http://boingboing.net/2017/03/11/unaccountable-algorithms.html

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Smart-Meter-messen-oft-falsch-3644942.html

https://www.golem.de/news/umstrittene-studie-warum-manche-stromzaehler-extrem-falsch-messen-1703-126656.html

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:GEC_two-rate_electricity_meter_(Rankin_Kennedy,_Electrical_Installations,_Vol_II,_1909).jpg

Posted in Uncategorized | Tagged , , | Leave a comment

Kein Rot? Eine Bildanalyse.

Derzeit geistert durch das berufsverblüffte Internet ein blaustichiges Bild von Erdbeeren und alle wundern herum, wie toll doch unser Gehirn ist, weil es da Rot sieht.
Original auf Twitter Vice.com SPON Bento Boing Boing

Ich will die Leistung unseres Gehirns nicht kleinreden. Immerhin gelingt es ihm, mit einem mangelhaften optischen System ein weitgehend farbkorrektes, bewegtes Weitwinkelbild in 3D aufzunehmen und darin Objekte räumlich zu identifizieren (https://xkcd.com/1080/):

Trotzdem will ich versuchen, die Hysterie um das Bild mal etwas zu dämpfen. Es wird zuallererst immer behauptet “Da ist kein einziger roter Pixel.” Was bedeutet aber “roter Pixel”? Ein Pixel ist dann wahrnehmbar rot, wenn sein Rotkanal deutlich höhere Werte aufweist als Blau- und Grünkanal. In diesem Sinne stimmt es: kein roter Pixel.

Ein Bekannter auf Facebook hat einfach mal den Filter “Verblasste Farben korrigieren” eines Bildbearbeitungsprogrammes darüberlaufen lassen und ein ziemlich realistisches Bild roter Erdbeeren bekommen. Woher weiß das Programm nun, was Erdbeeren sind und wie sie aussehen müssen? Antwort: gar nicht.

Jetzt kommt die Magie bzw. die Aufklärung des Denkfehlers. Im Bild ist offensichtlich kein roter Pixel. Das heißt aber nicht, daß dort gar keine Informationen über die roten Bildbestandteile wären. Schaut man sich die Farbkanäle einmal einzeln an, so sieht man, daß der Rotkanal nur zusammengestaucht und nach links gerückt ist. Der Rotkanal wirkt im Gegensatz zu Blau und Grün dementsprechend “matschig”:

Jetzt kann man mit der manuellen Histogrammkorrektur in wenigen Sekunden schon halbwegs sinnvolle Farben herauskitzeln. Der Rotkanal wird aufgespreizt, Blau und Grünkanal werden etwas abgedunkelt:

Und genau das machen im Prinzip auch die Automatik in Photoshop, die traditionelle Weißabgleich sowie das menschliche Auge.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

Minimalismus falsch verstanden

Beim morgendlichen Durchstöbern des RSS-Nachrichtenfeeds fiel mir folgender Artikel von Zeit Online auf:
Alles mein

Anrißtext:

Besitz belastet, sagen die neuen Minimalisten. Sie wollen alles wegtauschen, verkaufen, loswerden. Was für ein Unsinn!

Erster Satz: Isso. Eigentum verpflichtet – auf verschiedenen Ebenen. Der letzte Satz ist Meinung der Autorin, steht also außerhalb der Diskussion. Im zweiten Satz unterläuft ihr aber ein Pauschalisierungsfehler: Minimalisten wollen nicht alles loswerden, sondern das Überflüssige.

Wenig später setzt Frau Tutmann menschliche Beziehungen und Beziehungen zu Gegenständen auf die selbe Ebene:

Wie soll jemand, der nicht mal bereit ist, ein altes T-Shirt aufzubewahren, Menschen die Treue halten?

Meine spontane Antwort (wie auch so ähnlich von Kommentatoren unter dem Artikel gegeben): Wie soll jemand Zeit für Menschen haben, der nur damit beschäftigt ist, seine alten T-Shirts zu hegen und zu pflegen? Auch hier zeigt sie wieder ihr Unverständnis der minimalistischen Lebensweise: die Autorin meint offenbar, Minimalisten müßten noch das letzte Hemd (bzw. T-Shirt) weggeben wollen. Falsch. Richtig ist: Minimalisten kaufen kein neues T-Shirt, wenn das alte noch einen Wert hat. Dieser kann durchaus in Erinnerungswert bestehen.

Diese Verwechslung zieht sich weiter durch den Artikel:

Wer nichts besitzt, hat sich von allem Überflüssigen getrennt und sein Leben im Griff.

Rein logisch ist richtig: Wer nichts besitzt, hat sich von allem überflüssigem getrennt. Das ist aber nur die halbe Aussage. Rein logisch gilt ebenso: Wer nichts besitzt, hat sich auch von allem notwendigen getrennt. Das ist kein Minimalismus, sondern Nihilismus. Im Verständnis von Frau Tutmann wäre der Film My Stuff schon nach wenigen Minuten zu Ende, wenn Petri seine Sachen in der Storagebox versteckt hat:

Frau Tutmanns Standpunkt wird auch nicht richtiger, wenn sie auf die Cloud schimpft:

Was sich digitalisieren lässt – Bücher, Musik, Bilder, Filme –, versteckt er in seiner unsichtbaren Rumpelkammer: der Cloud.

Echter Minimalismus verschiebt das physische Zuviel nicht einfach ins Digitale. Denn auch in der Cloud gilt: alles unnötige belastet. Weniger ist mehr. Allein schon unter Privacygesichtspunkten.

Auf einer Internetseite, die den minimalistischen Lebensstil als Mittel gegen eigentlich alles feiert…

Aha, da läuft der Hase. Frau Tutmann vergisst, daß eine Eigenschaft des Kapitalismus die Einvernahmung jeglicher Gegenströmung ist. Religion, Rock, Punk, Öko, … Alles wurde in den Kommerz integriert. Darum gibt es auch beim Minimalismus zunehmend Webseiten und (käufliche!) Ratgeberbücher, die den übertriebenen, fanatischen Minimalismus feiern, auf den sich die Autorin hier einschießt.

Meine Vase, mein Kleid, mein Armband: Mein Besitz erzählt, wer ich bin

Mmmm… Ich erzähle lieber selber, wer ich bin 😉

Wer nichts besitzt, offenbart seine Beziehungsunfähigkeit. Besitzer dagegen legen sich fest. Sie kümmern sich, sie reparieren, sie pflegen. Sie signalisieren, dass sie Andenken bewahren und damit nicht nur Dingen die Treue halten, sondern auch dem Erlebten.

Und dann sind Besitzer möglicherweise festgelegt und unfähig, sich auf neue Situationen einzustellen. Ich weiß nicht, ob ich das besser finde. Und im letzten Satz widerspricht sich die Autorin schon selbst: soll ich nun den Dingen die Treue halten oder dem Erlebten. Letzteres geht auch ohne Dinge. Man nennt es Gedächtnis.

Soweit ich das sehe, gehört Frau Tutmann zu den Menschen, die zur Erinnerung, zur Selbstdefinition Dinge benötigen. Das wird bei (echten) Minimalisten zwar ein Kopfschütteln auslösen, aber mehr auch nicht. Wie ich oben schon mehrfach andeutete, besteht echter Minimalismus nicht darin, nichts zu haben, sondern die richtigen Dinge zu haben. Das Schlußwort überlasse ich darum den Profis von The Minimalist:

Possessions can make us happier, but only if we own the right things.

I should note that this doesn’t mean possessions are a replacement for experiences and relationships and a rich internal life: most ideally, the things we own are mere additions to a fulfilled existence. They add spice to something that’s already satisfying and satiating.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blue_Unknot.png

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

Aus Simyo wird Blau – Au!

Tja, eigentlich wollte ich mich ja bzgl. der E-Plus-Übernahme durch Telefonica gelassen neutral verhalten. Aber die geben sich echt Mühe, E-Plus zu unterbieten.

Simyo hat funktioniert. Jetzt ist es Blau. Eine der vielen SMS-Nachrichten, welche mich über diesen Umstand unterrichten sollten, wurde dann mal eben vier oder fünf mal geschickt. Kann passieren. Aber eben versuche ich mich im Blau-Portal einzuloggen und die erkennen meine Handynummer nicht. Moment…

*nachdenk*

Aha! Die kommen doch tatsächlich nicht mit dem Leerzeichen zwischen Vorwahl und Hauptnummer klar. Ist beim Hauptlogin übrigens dasselbe.

Dann war der nächste Punkt: Aufladung der Prepaidkarte. Bei Simyo gabs da im Portal die Bankverbindung und gut. Bei Telefonica darf ich denen eine SMS schicken und bekomme dann die Daten zurückgeSMSt. Würde mich nicht wundern, wenn das quasi eine Einmalverbindung ist. Naja, bei meinem Telefonverbrauch ist das zum Glück nur einmal im Jahr nötig. Den Preis für besondere Benutzerfreundlichkeit bekommen sie von mir trotzdem nicht.

Und beim nächsten Mal schaue ich mir mal dieses Bewegungsdaten-Opt-Out-Portal an. Das soll ja auch gruselig sein, laut Heise.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Telephone_table_instrument_(Rankin_Kennedy,_Electrical_Installations,_Vol_V,_1903).jpg

Posted in Uncategorized | Tagged , | Leave a comment

Ein Putsch und andere Reichstagsbrände

Angesichts dessen, daß aus dem Nichts heraus eine unbekannte Gruppe Militärs putscht, dieser Putsch spielend niedergeschlagen wird, anschließend nicht nur Militärs sondern auch Richter verhaftet werden und der Präsident dabei eine Rhetorik verwendet, die aus einem deutschen Geschichtsbuch stammen könnte — da drängt sich doch eine gewisse Verschwörungstheorie auf. Zur Erinnerung noch mal ein Auszug aus der Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsbrand

Als Reichstagsbrand wird der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 bezeichnet. Der Brand beruhte auf Brandstiftung. Am Tatort festgenommen wurde Marinus van der Lubbe. Allerdings konnten die Umstände und vor allem die Täterschaft nicht einwandfrei geklärt werden; sie sind auch heute noch Gegenstand einer Kontroverse.

Unbestritten sind die politischen Folgen. Bereits am 28. Februar 1933 wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat (Reichstagsbrandverordnung) erlassen. Damit wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt und der Weg freigeräumt für die legalisierte Verfolgung der politischen Gegner der NSDAP durch Polizei und SA. Die Reichstagsbrandverordnung war eine entscheidende Etappe in der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reichstagsbrand.jpg

Posted in Uncategorized | Tagged , , | Leave a comment

Internetwerbung und Bezahlschranken

Seit einiger Zeit sind auf Spiegel Online manche Artikel hinter einer Bezahlschranke versteckt (siehe Screenshot). Technisch ist das ganze recht solide gelöst, da auch der ausgelieferte Text unleserlich gemacht wurde und es nicht reicht, per Adblocker ein Div-Overlay wegzublenden. Heute habe ich mich dann gefragt, ob ich die Bezahlversion des Artikels eigentlich nur sehe, weil ich Adblocker laufen habe? Also mal alle Kandidaten abgeschaltet: µMatrix, µBlock und Ghostery. Ergebnis: keine Änderung, außer, daß jetzt fast zwei Dutzend Tracker geladen werden und am Seitenanfang auch noch ein Werbebanner erscheint (nicht im Screenshot enthalten).

Persönliches Fazit: Warum soll ich Geld ausgeben, wenn ich trotzdem noch getrackt und verfolgt werde? Außerdem sind die Artikel mit Bezahlschranke bisher glücklicherweise Themen, ohne deren tiefere Kenntnis ich sehr gut leben kann. Die Blocker bleiben also an.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , | Leave a comment

Die Erweckung Cthulus

H. P. Lovecraft hatte offenbar doch recht. Nur, daß die Tentakelwesen nicht aus dem Weltall kommen, sondern durch unser eigenes Wirken quasi herangezüchtet werden:

If trends continue, cephalopods may be among the species who are poised to survive a mass extinction in the oceans, leading to a future marine ecosystem ruled by tentacles.

Darum: Weniger Pizza Tonno essen, sondern mehr Calamares Romana.

boingboing.net: To imagine the ocean of the future: picture a writhing mass of unkillable tentacles, forever

arstechnica.com: Octopuses may indeed be your new overlords

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cthulhu_blood.png

Posted in Uncategorized | Tagged , | Leave a comment