Pentax K-01: Ein Test

Die Spielzeugsuche hat ein Ende.

Die Anforderungen:

  • Eine Immerdabeikamera mit besserer Qualität als das Händi.
  • Eine Zweitkamera, die gut genug ist, um die Canon 5D II im Weitwinkelbereich zu unterstützen.

Das Bewerberfeld:

  • Lumix-G1 + Zuiko 12mm f/2: Micro-Four-Thirds Sensor, aber systembedingt grottige Verzeichnung der WW-Objektive
  • Fuji X-E1 + 18mm f/2: APS-C-Sensor, leider ein Non-Standard-Sensorfarbpattern, welches im Endeffekt wohl keinen echten Vorteil bringt
  • Sony NEX-5N + 16mm f/2.8: mit die kompakteste Lösung, aber das Objektiv schneidet bei Photozone in der Optik mit nur 1.5 Sternen ab
  • Samsung NX200 + 16mm/2.4: auch hier ist das Objektiv nicht das beste. Laut Photozone 4% Verzeichnung und ziemlich krumme Fokusebene
  • EOS M + ??: Durch die Fragezeichen angedeutet – es gibt noch kein passendes EF-M Weitwinkel. Ein adaptiertes EF-S-WW ist inkl. Adapter weder ein Schnäppchen noch kompakt.

And the Winner is: die Pentax K-01 mit dem 15mm f/4.

Preiserlebnis: der Preis. Der Body der K-01 bewegt sich preislich im Mittelfeld vergleichbarer Kameras. Das Objektiv ist die deutlich teurere Komponente. Für den Preis hätte ich sicher auch ein entsprechendes Objektiv bei Canon bekommen. Aber leider gibts da noch nix vergleichbares im EOS M System.

Auspackerlebnis Objektiv: Oh ist das süß. Hui, liegt das gut in der Hand. Alles Metall. Im Ernst: das letzte Objektiv, daß sich so wertig angefühlt hat war das gute alte Prakticar 50mm f/1.8.

Erstmal den Deckel runterma…äh?…Moment mal: nicht gesteckt sondern geschraubt?! Die Streulichtblende ist versenkbar im Objektiv integriert – sehr fein.

Auspackerlebnis Kamera: Naja, kompakt ist was anderes. Ist schon ein ordentlicher Klotz. Aber so sind die Pentax-K-Objektive verwendbar. Alle kompakteren Systeme mit geringerem Auflagemaß haben irgendwie auch immer üble Verzeichnung bei Weitwinkelobjektiven.

Iiiih, die klappert ja nervig. So ein verdammter Mist, ich will die nicht zurückschicken müssen und Garantieformulare ausfüllen. Moment, die hat doch Sensorbildstabilisierung – sollte der vielleicht? Kurzes googeln hat diese Vermutung dann bestätigt: im ausgeschalteten Zustand ist der Sensor stromlos und unstabilisiert und dementsprechend klapprig.

Designerlebnis: Beim Objektiv hatte ich ja eben selber zu alten DDR-Vergleichen gegriffen… Der Tester bei Focus.de hat sich das auch erlaubt und sich damit entweder als Nichtossi, schludriger Journalist oder beides geoutet. Erstens schrieb sich die Kamera “Praktica” und nicht “Practica” und zweitens gibt es kein klassisches Praktica-Modell, daß der K-01 ähnelt. Allerding findet sich auf Wikipedia ein häßliches Modell einer Digitalpraktica. Die ist aber von 2007 und damit kein Ostprodukt mehr. So, genug geschimpft – es gibt nämlich eine Ostkamera, an die mich die K-01 mit ihrem eckigen Design spontan erinnert hat: die Lomo. Ansonsten kann ich mich dem Testfazit von Focus und allen anderen im wesentlichen anschließen: ein gewöhnungsbedürftiges, funktionales und zumeist solides Design – außer an den Gummiabdeckungen der Anschlüsse. Ein 180°-klappbarer Monitor wäre für den Preis nett gewesen um das Display im Rucksack vor verkratzen zu schützen und auch zum Fotografieren aus ungünstigen Winkeln.

Autofokuserlebnis: Schnell ist was anderes. Gleich nach dem Auspacken teste ich mal die wesentlichen Grundfunktionen. Nach wenigen Sekunden weiß ich, warum alle so über den Autofokus lästern. Also so langsamen AF habe ich noch nicht gesehen. Ok, hier muß ein Kompaktkamera AF (contrast detection) ein Spiegelreflexobjektiv mit langem Fokusweg steuern. Und im Gegensatz zum spiegelreflexüblichen Phase-detection-AF weiß der Contrast-detection-AF nicht, in welche Richtung er das Objektiv verschieben muß (wenn ich den Wikiartikel richtig lese). Die Methode Versuch-und-Irrtum liegt nach Murphy halt immer erstmal falsch.

Manualfokuserlebnis: Im nächtlichen Zimmer zeigt das Liveviewbild schon ordentliches Weißpixelrauschen. Allerdings verschiebe ich die echten Fotoversuche auf den nächsten Tag und ordentliches Sonnenlicht. Mein Eindruck ist, daß das Liveview der EOS 5D II zum manuellen Fokussieren besser geeignet ist, zumindest in den Vergrößerungsstufen. Allerdings hat das 15mm-WW ab Blende 8 schon soviel “Tärfenschiefe”, daß man nur noch auf ca. 1m einstellen muß und gut.

Nutzungserlebnis: Es ist eine Kamera. Es ist nichts wirklich überraschend. Die wesentlichen Funktionen sind logisch erreichbar. Was mir fehlt ist die Möglichkeit, bei gezoomter Bildansicht zwischen den Bildern zu blättern, um das schärfere zu finden. Die Größe ist, wie auch schon in vielen Tests beschhrieben grenzwertig. Zu groß für eine Kompaktkamera und zu klein um die Griffigkeit einer DSLR zu bieten.

Bilderlebnis: Sowohl das 15mm f/4 als auch die K-01 sind in den Tests eigentlich recht gut weggekommen. Darum war ich auch etwas ernüchtert von den zwecks Schärfekontrolle voll gezoomten Bildern am Kameradisplay. Meine Hoffnung war dann, daß es mit den RAW-Bildern am PC dann besser aussieht. Und das tut es tatsächlich. Meine Theorie geht dahin, daß die maximale Vergrößerung nicht einen Bildpixel auf einen Displaypixel abbildet sondern einen krummen Wert. Wenn ich nämlich richtig rechne, hat das Display ca. 1000+x Pixel horizontal, womit wohl die Zoomstufen 4.8x und 9.5x die beste Darstellung liefern sollten. Leider sind die für Quickzoom nicht verfügbar.

Der eigentlich Aha-Effekt kam dann tatsächlich am Rawkonverter. Die RAWs aus der Kamera sind so gut, daß ich sie kaum von denen der 5D unterscheiden kann. Bei meinem Versuchsaufbau vergleicht man zwar keine Äpfel mit Birnen, aber zumindest Golden Delicious mit Granny Smith. Die 5D hat einen Vollformatsensor, ist gute 5 Jahre alt und das verwendete 20mm-Objektiv ist ein Urgestein aus Analogzeiten. Die K-01 hat den aktuellsten APS-C-Sensor von Pentax und das 15mm-Objektiv ist von 2008. Beide Systeme bilden ungefähr denselben Bildausschnitt auf die selbe Anzahl Pixel ab, die 5D natürlich auf etwas größerer Fläche.

Skaliert man die Bilder auf gebräuchliche Monitorgrößen herab, ist kaum ein Unterschied zwischen K-01 und 5D zu erkennen. Selbst das zum Vergleich herangezogene Händi schlägt sich in diese Disziplin wacker und zeigt nur im einfarbigen Himmelsbereich sichtbare JPG-Artefakte:
Hausecke, Gesamtansicht

Bei 100%-Zoom fällt das Händi deutlich zurück. 5D und K-01 bleiben gleichauf:
Hausecke, Auschnitt in 100%-Zoom

Bei einem anderen Testbild (Turm, Gesamtansicht) führt dir 5D minimal im Schärfevergleich:
Turm, Auschnitt Uhr in 100%-Zoom

Allerdings kompensiert die K-01 hier durch die geringeren CAs und geringeres Rauschen in den dunklen Blattbereichen:
Turm, Auschnitt Blätter in 100%-Zoom

Der folgende Link zeigt die Rauschunterdrückung (kleinste Stufe) bei ISO3200. Auch wenn das JPG immer noch erstaunlich gut ist: traue keiner Kamerafirmware wenn es um den Erhalt von Details geht:
Baumaschine, Rauschvergleich JPG vs. RAW

Die Testbilder aus der 5D mußte ich konstant um 1EV aufhellen, bei der K-01 schwankte der Wert zwischen 0.5EV und 1EV.

Wie auch schon andernortens festgestellt. Die Speichergeschwindigkeit im RAW-Modus ist grottig. Pentax gibt hier auch offiziell nur 1 Bild/s an. Andere Systeme könnern das besser und puffern eine gewisse Anzahl Bilder zwischen um zumindest die Aufnahmegeschwindigkeit zu erhöhen.

Fazit:
Die Kamera macht hervorragende Bilder. Leider fühlt sie sich nicht immer besonders professionell an, insbesondere wenn sie als Zweitbody neben einer DSLR dienen soll, von der man ein besseres Feeling gewöhnt ist. Für einen potentiellen Nachfolger sollte Pentax also einige Punkte überarbeiten:

  • Klappbares Display
  • Wertigere Abdeckkappen für die Anschlüsse und den Kartenslot
  • Bilderwechsel während Zoom
  • unbedingt besserer Autofokus
  • unbedingt bessere Geschwindigkeit im RAW-Modus

Es ist für mich persönlich tatsächlich so, daß ich mehr an dem hervorragenden 15mm-Objektiv hänge als an dem “Objektivträger” K-01. Hier wird sich zeigen, ob Pentax einen Nachfolger bringt, der die Mängel der K-01 soweit behebt, daß sich ein Wechsel auf den Nachfolger lohnt oder ob Canon das EOS M System mit einem guten WW-Objektiv vervollständigt und ich komplett wechsele.

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5 Responses to Pentax K-01: Ein Test

  1. Pingback: Lichtstärke ist nicht alles | Zentriere Dich

  2. Uli says:

    Gerade eben kam meine Pentax K01 an, bloggen, Kaffee machen und langsam auspacken. Hui, das 40mm Objektiv ist ja süß. Ah, da unten ist ja auch die Kamera. Moment mal. He! Die klappert ja. Anschalten, *klack* das Klappern ist weg, ausschalten – es klappert. Mist! Gegoogelt, dein Blog gefunden, Apfel-F (suchen) “klappern”. Ah! Da! Puuuuh, alles ok! 🙂

    Danke für deinen Blogbeitrag 🙂

  3. Martin says:

    Hab mir vor kurzem die K-01 bestellt und ungläubig festgestellt, dass man in der Zoomansicht der aufgenommenen Bilder nicht “blättern” kann. Ist das bei allen Pentax so? Das ist doch eine wichtige Funktion! Man nimmt ein paar Bilder hintereinander auf (z.B. Makroaufnahmen) und vergleicht dann schnell die Bildschärfe.
    Weiters kann der Bildstabilisator nur auf “dauernd ein” oder “nur beim Auslösen” eingestellt werden. Wieso nicht bei “halb durchgedrücktem Auslöser”? Das wäre doch wohl die sinnvollste Variante, sodass man die Bildruhe beim Fokussieren abschätzen/nutzen kann.

    Das sind eigentlich zwei selbstverständliche Funktionalitäten, die auch einfach via Software implemetierbar sind. Kann man hier auf ein Firmwareupdate hoffen, oder sind diese 2 Features bei Pentax nicht üblich?

    LG, Martin

    • SK says:

      @Martin: Das mit dem Blättern in gezoomter Ansicht habe ich auch schon bedauernd festgestellt. Ob das bei allen Pentaxen so ist, kann ich aber nicht sagen, da ich nur die eine habe. Das Bildstabilisatorpreview fehlt mir persönlich nicht, da ich inzwischen brauchbare Erfahrungswerte habe, was ich mit der Kamera so aus der Hand halten kann. Ich würde an Deiner Stelle diese Fragen in einem Pentax-Forum stellen, dort sollten Leute sein, die mehr Ahnung hab en als ich.

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