Internet, Wirtschaft und Vertrauen

Die Fragen stellen sich eigentlich schon seit Jahren, seit das Internet die Universitäten verlassen hat und in der freien Wirtschaft angekommen ist: Wie halten es die Firmen mit offenen Standards? Kann ich den Firmen vertrauen, daß meine Daten sicher sind, daß die Dienste, die ich verwende stabil laufen und zwar so lange, wie ich sie benötige? Werden meine Daten zensiert oder manipuliert? In den letzten Tagen können hier Zweifel aufkommen. Die größte Unruhe verursachte zweifellos Google mit der Abschaltung des RSS-Readers, aber auch Facebook ist weiterhin gut im Rennen um den Titel “Unglaubwürdiges Unternehmen des Jahres”, mit Zensur, Abschottung und Mißachtung von Standards. Das betrifft übrigens nicht nur die Wirtschaft, auch die Regierung bemüht sich nach Kräften, das Vertrauen der Anwender zu erschüttern, und erklärt mal eben unsichere Verfahren als sicher. Bei der Regierung ist das natürlich nicht ganz so einfach – die kann man sich meist nicht aussuchen sondern bestenfalls alle paar Jahre graduell beeinflussen. Aber bei Wirtschaftsunternehmen sollte man sich im klaren sein:

1. Aus betriebswirtschaftlicher (nicht volkswirtschaftlicher) Sicht ist ein Angebotsmonopol am besten. Ein offenes Internet hilft nur, solange man selber (noch) kein Monopol errichten kann.

2. Ein Monopol, daß nur die Konkurrenz draussen hält, aber den Kunden das Gefühl eines freien Resourcenzugangs vermittelt kann es nicht geben, weil gerade im Internet jeder Kunde sich potentiell zu einem Konkurrenten entwickeln könnte.

3. Aus den ersten beiden Punkten folgt, daß es aus betriebswirtschaftlicher Sicht notwendig ist, den Kunden einzuschränken. Das betrifft nicht nur das Internet sondern alle Wirtschaftszweige, wo anbieterseitig Monopole bzw. starke Oligopole existieren. und das erklärt auch den gerade stattfindenden Kampf gegen freie Computerplattformen.

4. Egal ob kostenlose oder bezahlte Angebote: Anbieter können pleite gehen, Dienste eingestellt werden. Man kann keinem kapitalistischen Unternehmen trauen, denn per Definition ist Geldvermehrung das Ziel, nicht Kundenglück.

5. Sofern man als Kunde noch in der glücklichen Situation eines Angebotsoligopols ist soll man wegen der Punkte drei und vier immer die Wechselmöglichkeit im Auge behalten. Für das Internet bedeutet das: seine Daten nur so in Clouddienste einstellen, daß man schnell wechseln kann, also möglichst einfache Formate verwenden, möglicht kleine Datenvolumen, sich nicht von bestimmten Diensten oder Anbietern abhängig machen. Notfalls sollte man in den Offline Modus gehen können – im worst-case sogar ganz urtümlich mit Papier und Bleistift…

Fazit (wie ich mal irgendwo gelesen habe): “Man kann sich heutzutage auf nichts mehr verlassen. Sobald man sich auf etwas verläßt ist man verlassen. Verlassen sie sich drauf!”

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