Quo vadis Google?

In den letzten Tagen sind viele Leute durch Meldungen aufgeschreckt worden, daß Google diesen oder jenen Dienst abschaltet, diese oder jene App aus dem Play Store wirft und so weiter. Die vertrauensseligen User und die Fanboys sind jetzt enttäuscht, die Besserwisser und Googlekritiker rufen in die Runde “Haben wir doch schon immer gesagt”. Überall werden Wechseltipps gegeben und Nachfolgedienste stehen in den Startlöchern. Es gibt mäßig lustige Reaktionen wie vom Postillon und lesenswert polemische wie von Sascha Lobo. Sascha Lobo hat das Verhalten von Google bereits schön erklärt. Ich möchte hier darum auf das Verhalten der User eingehen.

Zuerst die Frage: Warum bieten Firmen kostenlose Dienste an? Antwort: Als Eigenwerbung, als Werbeplattform und als Datensammelmaschine für die Werbeindustrie. Nr. zwei hat Google immer recht dezent gehandhabt, der Schwerpunkt lag also auf eins und drei. Aufgrund der technik- und entwicklerfreundlichen Firmenpolitik war die Eigenwerbung durch die vielen verschiedenen Googledienste ein voller Erfolg. Google wurden stets wahrgenommen als “die mit den coolen Sachen”.

Nun die Frage: Warum benutzt der User kostenlose Dienste? Weil es kostenlos ist? Nein, es gibt ja nur wenige echte kostenlose Dienste und die Googleangebote finanzieren sich ja, wie oben festgestellt, im wesentlichen über die Benutzerdatenanalyse. Den Kunden ist das – mal mehr, mal weniger – bewußt. Aber der Kunde bezahlt diesen Preis, solange er dafür einen Mehrwert bekommt. Der lautete bisher: Clouddienste aus einer Hand, die funktional gestaltet sind und sich auf die Anwenderbedürfnisse anpassen lassen; aus meiner, zugegebenermaßen kurzen, betriebswirtschaftlichen Episode während des Studiums ist mir noch der Begriff des “unique selling proposal” im Gedächtnis geblieben. Wenn jetzt Google den Mehrwert einschränkt, weil es, aus welchen Gründen auch immer, Dienste einstellt und Funktionalitäten so verändert, daß sie sich nicht mehr an die Kundenbedürfnisse anpassen lassen, so verschiebt sich für den Kunden das Preisleistungsverhältnis. Und hier droht die Gefahr für Google: die Dienste, die Googles “selling proposal” so “unique” gemacht haben, werden eingestellt. Stattdessen wird ein Dienst in den Vordergrund gerückt, der zwar technisch hervorragend ist, aber eben vom Nutzen her nicht “unique”. Der Mehrwert eines sozialen Netzes liegt eben darin, daß die Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre echten Kontakte dort wiederfinden – und hier hat sich Facebook leider rasant an die Spitze gesetzt.

Die Benutzer werden auch weiterhin mit ihren Verhaltensdaten bezahlen, aber halt bei den Anbietern die einen Mehrwert liefern.

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