Mitmeinende pseudogenerische bzw. androgendernde Maskulina

Nicht lachen, das dadaistische Kunstwerk in der Überschrift ist ernst gemeint. Gottlob nicht von mir, sondern von den Autoren (AG Feministisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität zu Berlin) der Broschüre “Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit!” (Link). Das Überschriftszitat findet sich dort auf Seite 30. Für den hartgesottenen Internetwanderer hat der Spiegel auch noch ein Interview mit einem der Verfasser. Auch die Schreibkollegen bei Telepolis stehen angesichts des Themas noch völlig unter Schock.

So, aber genug Werbung für den Quatsch. Schlimm genug, wenn das Gutmenschentum einiger Zwangsbeglücker auf eine romantisch verklärte 68er-Nostalgie trifft und das ganze dann als Gleichberechtigung verkauft wird. Prinzipiell ist es zwar richtig, daß Sprache und Denken einander bedingen und formen. Dazu braucht man nur Orwells “1984” lesen. Dort (und auch in der realexistierenden Menschheitsgeschichte) erfährt man aber auch, daß Zwangsbeglückung und Brechstange kein Weg sind, etwas gutes zu Erreichen.

Was mir aber dieser Tage durch den Kopf ging: scheinbar ähnelt die Genderargumentation (“Du hast Brüste/Penis/wasauchimmer, aber das beudetet nicht, daß…”) der üblichen Rassistenargumentation (“Deine Haut ist schwarz/weiß/rot/grün, das bedeutet, daß…”). Tatsächlich wird in beiden Fällen die Logik verbogen:

Der Mensch bildet aus kulturellen Gründen Gruppen. Sind die geografischen Randbedingungen passend, so bilden sich dadurch mittelfristig bestimmte Geno- und Phänotypen aus. Die rassistische Argumentation dreht nun Ursache und Wirkung um und behauptet, daß die Biologie (Gene und Erscheinung) die Kultur beeinflusst (“sarrazinieren”).

In der Gendertheorie findet diese Kausalitätsumkehr un umgedrehter Richtung statt: die höheren Wirbeltiere auf der Erde sind aus evolutionären Gründen zweigeschlechtlich, dies hat sich beim Menschen in bestimmten Kulturformen niedergeschlagen (Grammatik mit Geschlechtern, Umgangsformen, ja auch Machtverhältnisse). Da die über jahrtausende gewachsenen patriarchalischen Strukturen sich nicht über Nacht verändern lassen begeht die Gendertheorie den Fehler, die biologischen Unterschiede wegzudiskutieren damit man folgern darf, daß die kulturellen Unterschiede gar nicht existieren können. Oder wie Morgenstern einst schrieb: “…so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.”

Ich hoffe, daß es bald wieder Gleichstellungsbeauftragte statt Genderexperten gibt und man sich um die wirklichen Probleme kümmert (Bildung und Soziales) statt auf linguistischen Nebenkriegsschauplätzen das Pulver zu vergeuden.

Bildquelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Paris_Tuileries_Garden_Facepalm_statue.jpg

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