Kleine Filter-FAQ

…oder besser: kleine Besprechung der Dinge, die man vorne ans Objektiv schrauben kann.

Die Geschichte des Filters ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Das erlebte ich ich vor einigen Tagen, als ich mal wieder gefragt wurde “Sachma, was brauch ich eigentlich alles an…”. Gefolgt von einigen Halbwahrheiten, die zwar durchaus einmal korrekt waren, sich aber heute meist als obsolet erweisen.

Aber mal systematisch, nach Typ geordnet:

1. UV-Filter & Skylightfilter

Was tuts? Es reduziert die UV-Anteile im Spektrum. Sogenannte Skylightfilter haben zusätzlich eine leichte Rottönung, die Blaustiche reduziert.

Wer brauchts? Höchstens Fotografen im Hochgebirge (>4000m).

Warum brauchts Ottonormalfotograf nicht? Handelsübliches Glas filtert schon genug UV-Strahlung aus. Das normale Objektiv ist darum als UV-Filter ausreichend. Siehe auch: http://www.fen-net.de/walter.preiss/d/slomoinf.html

“Im kurzwelligen Bereich des Spektrums (UV, blau) sind die Sensoren dagegen vergleichsweise unempfindlich. Hier wirken außerdem zusätzlich die Gläser begrenzend.”

Aber ich habe gehört, es ist als Objektivschutz zu empfehlen! Wenn man in der Sahara im Sandsturm fotografiert, ok, dann ja. Dann sollte man aber einen ganzen Satz Klarglasfilter dabei haben, um jeden Tag einen neuen unzerkratzten aufschrauben zu können.

Im meinen fast 20 Jahren fotografischer Tätigkeit ist habe ich noch keinen einzigen Schaden an einer Objektivfrontlinse erlebt und erst ein einziges Mal gesehen, wie ein Objektiv durch Ungeschick zerstört wurde. Aber auch da war nicht die Linse beschädigt sondern Mechanik und Tubus des Telezooms demoliert. Da hätte auch kein “Schutzfilter” geholfen.

Meine Befürchtung ist außerdem, daß etwas, das die Frontlinse zerschlagen würde, von einem dünnen Zusatzglas nur wenig gebremst würde und man eher das Problem hätte, daß dann Splitter vom UV-Filter die Frontlinse zerkratzen. Ist aber nur (m)eine Theorie, ich werde sie nicht selber überprüfen.

Wie schütze ich meine Objektive dann? Objektivdeckel, Streulichtblende, umsichtige Handhabung.

Und was ist nun mit diesen Skylightfiltern? So leid es mir tut, auch die bringen nichts. Die waren mal nützlich für Diafotografen bei brechend blauem Sommerhimmel. Aber heutzutage wird die Rottönung des Filters genau wie der Blaustich der Szenerie vom Weißabgleich der Digitalkamera lässig weggerechnet. Verbleibende Farbstiche beseitigt man effektiver mit Rawkonverter und Bildbearbeitungsprogramm.

2. Farbfilter

Was tuts? Nur bestimmte Farbbereiche des Spektrums durchlassen.

Wer brauchts? Hauptsächlich Schwarz-Weiß-Fotografen mit echtem Film bzw. mit der Leica M9 monochrom. Evt. auch Digitalfotografen, die viel S/W machen und/oder besondere Effekte erzielen wollen.

Warum brauchts Ottonormalfotograf nicht? Da mit Ausnahme der Leica M9 monochrom die heutigen Digitalkameras immer ein Farbbild liefern, können die meisten Farbfiltereffekte bei der Konvertierung des Farbbildes nach S/W im Rawkonverter viel komfortabler eingearbeitet werden.

3. Graufilter

Was tuts? Die Lichtmenge reduzieren.

Wer brauchts? Alle, die lange Belichtungszeiten erzielen wollen (Stichwort: Wasserfallfotos). Leute, die bei sehr heller Umgebung aus Gestaltungsgründen mit Offenblende fotografieren wollen.

4. Polarisationsfilter

Was tuts? Jede nichtmetallische Reflektion (Glas, Staubpartikel in der Luft) polarisiert das Sonnenlicht. Polfilter können diese einheitlich polarisierten Lichtanteile je nach Einstellung mehr oder weniger unterdrücken. Das erzeugt dann z.B. den klassischen tiefblauen Postkartenhimmel, weniger Ferndunst und weniger Blaustich.

Wer brauchts? Landschaftsfotografen und Naturfotografen bei blauem Himmel. Alle, die Glas im Bild haben und die Spiegelungen im Glas kontrollieren wollen.

[Update]

1. Archer hat als Reaktion zu diesem Beitrag auf FB folgendes hilfreiche Video (englisch) verlinkt: http://www.youtube.com/watch?v=vMOsBG2JaZY Besser könnte ich es auch hier in vielen Worten nicht erklären.

2. Polarisationsfilter gibt es in zwei grundsätzlichen Ausführungen “linear” und “zirkulär”. Zirkuläre Polfilter wurden mit den elektronischen Innenbelichtungsmessungen notwendig, da diese selber polarisierende Elemente enthalten und es mit normalen Polfiltern zu Fehlmessungen käme. An diesem Punkt habe ich auch wieder was gelernt, nämlich, daß der Begriff “zirkulären Polarisation” wohl tatsächlich Ernst gemeint ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarisation

5. Nahlinsen & Vorsatzachromate

Was tuts? Reduziert die Naheinstellgrenze ohne die Nebenwirkung von Zwischenringen.

Wer brauchts? Alle, die nur gelegentlich Makrofotografie betreiben und sich darum kein extra Makroobjektiv zulegen wollen.

Empfehlung: Der Aufpreis der Achromate ist durchaus gerechtfertigt. Statt sich für 20€ einen Satz Billignahlinsen zu holen ist das Geld besser angelegt in einem einzelnen Achromaten für 40€-100€ (je nach Durchmesser).

6. Streulichtblenden

Was tuts? Primär: Seitlich in das Objektiv einfallendes Licht reduzieren. Sekundär: Die Objektivfrontlinse vor Beschädigungen schützen.

Wer brauchts? Jeder.

Empfehlung: Gummistreulichtblenden sind praktisch, bieten aber weniger mechanischen Schutz als Hartplastikstreulichtblenden.

7. Objektivdeckel

Was tuts? Ersetzt einen teuren 100%-Graufilter. Schützt das Objektiv.

Wer brauchts? Jeder. Ob man den Deckel sicherheitshalber nach jedem Foto wieder aufsetzt oder erst am Ende der Fototour, wenn man das Objektiv wieder wegpackt, muß man selbst anhand seiner feinmotorischen Fähigkeiten entscheiden.

Empfehlung: Objektivdeckel sind Schwundmaterial. Der Drittherstellermarkt bietet aber kostengünstigen Ersatz.

Fazit

Man sollte sich Vorsatzmaterial in folgender Reihenfolge zulegen:

  • Objektivdeckel, wenn nicht vorhanden
  • Streulichtblende, wenn nicht vorhanden
  • Polfilter
  • Graufilter oder Makrolinse, wenn man entsprechende Fotos macht

Finger weg von UV-Filtern, spart das Geld für was anderes.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Filters_6187.jpg

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