Böse neue Ausbeuter, gute alte Ausbeuter

Es ist nicht zu überhören und zu überlesen: Amazon ist böse. Sie beuten nicht nur die Lagerarbeiter aus, sondern auch die Autoren. Und sie gefärden die Verlage, diese wohlmeinenden und karitativen Vereinigungen von Menschenfreunden, denen nichts ferner läge, als durch den Wiederverkauf geistiger Leistungen Geld zu verdienen und deren Existenz allein dafür sorgt, daß das Gras grüner ist, der Himmel blauer und die Wolken rosaroter.

Zu diesem Thema schrieb nun ein gewöhnlich gutinformierter Journalist bei Spiegel Online einen Kommentar und schlägt mit klugen Worten vor:

“Einfach mal wieder in den Buchladen um die Ecke gehen.”

Dazu ist in den Leserkommentaren eigentlich schon alles wesentliche gesagt, aber für alle, keine Lust haben auf 45+ Seiten böser Leserreaktionen, hier der Versuch einer nüchternen Zusammenfassung:

  • Erstens und für den verlinkten Artikel am tödlichsten: es gibt keine Buchläden um die Ecke mehr. Es gibt einen Thalia im Stadtzentrum – klinisch ausgeleuchtet, völler Schmonzetten, Bestseller und Vampirromane. Es riecht dort nicht nach Büchern, sondern nach Gummibärchen, Duftgeburtstagskarten und (auf der Cafeteriaetage) nach Latte Macchiato.
  • Warum gibt es keine Buchläden um die Ecke mehr? Richtig, wegen Thalia und Co., die sich in den Innenstädten ausgebreitet haben und dabei auch nicht wirklich mit Samthandschuhen vorgingen. Nur haben damals die Verlage nicht gegen die Handelsketten gewettert und nicht für die kleinen Buchläden gekämpft.
  • Ich gebe zu, daß ich sogar gelegentlich in den hiesigen Thalia gehe und im Eck mit den fremdsprachigen Büchern stöbere. Hauptsächlich aber, da es für mich eh auf dem Weg liegt.
  • Muß ich ein Buch sowieso bestellen, dann ist das im Internet einfacher. Bei Amazon lande ich dann einerseits aus Tradition und weil es für mich, wie wohl für viele andere auch, ein One-Stop-Shop ist. Bücher, Haushalt, Elektronik, sogar Lebensmittel (die Kaffeesorte, die ich hier nicht mehr bekomme)… Für mich sind einfach die Vergleichsmöglichkeiten besser als hier in den Geschäften vor Ort.
  • Sollte Amazon sich dennoch als böse erweisen – es gibt auch dann Alternativen. Und die liegen im Internet nur einen Klick entfernt. Und notfalls eben doch einen kleinen Spaziergang.

Was wollte ich eigentlich sagen? Man muß Amazon nicht mögen. Man kann auch gut ohne Amazon leben. Man darf ihnen aber nicht das vorwerfen, was zum Wesenszug des Kapitalismus und des Fortschritts gehört.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carl_Spitzweg_-_Der_arme_Poet_(Neue_Pinakothek).jpg

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