Zur ÖPNV-Studie bzgl. Carsharing

Als Carsharingneumitglied muß ich ja immer noch etwas moralisches Rechtfertigungsmaterial sammeln und bin dabei über folgenden Artikel bei Spiegel Online gestolpert: “ÖPNV-nahe Studie: Carsharing soll Stadtverkehr verschlimmern”.

Zu ein paar Aussagen aus der Studie (bzw. aus der Darstellung der Studie bei Spiegel Online) möchte ich mal kurz Stellung nehmen:

Carsharing werde für Fahrten mit vergleichsweise geringen Entfernungen genutzt. In Berlin im Schnitt für Strecken von 5,8 Kilometer. Das seien Distanzen, die auch ohne Auto zurückgelegt werden könnten.

Soso, ich transportiere dann die neue Waschmaschine 5,8km zu Fuß, in der Strassenbahn oder auf dem Fahrradgepäckträger? Diese Aussage blendet aus, was ich auf diese Strecke vor habe. Vielleicht hätte ich mir das sperrige Küchengerät früher mit eigenem Auto vom 60km entfernten Möbelhaus “auf der grünen Wiese” geholt und mit Carsharing sehe ich plötzlich viel genauer die km-Kosten und fahre zum Baumarkt um die Ecke?

Dasselbe gilt bei Fahrten zu Freunden/Verwandten auf der anderen Seite von Deutschland. Früher: Auto steht da, nehm ich. Heute: erst mal rechnen, aha Bahn ist doch billiger.

Und in beiden Beispielen fahren die Carsharingfahrzeuge nur Kurzstrecke. Aber sie sind halt trotzdem sinnvoller als die “Eh-da”-Privatfahrzeuge.

Carsharing werde häufig im Freizeitverkehr genutzt. Während der Berufsverkehr seinen Höhepunkt morgens zwischen 8 und 9 Uhr habe, liege das Nachfragehoch bei Carsharing-Fahrzeugen gegen 21 Uhr.

Ja nee iss klar: wenn ich ein Auto brauche, um an 220 Tagen im Jahr zur Arbeit zu fahren, dann werde ich mich dafür bei Carsharing anmelden? Nee, dann habe ich ein eigenes Auto, zur Not eine olle Klapperkiste kurz vor dem TÜV-Tod, die wenig kostet. Und alle anderen, die kein Auto für den Arbeitsweg benötigen, sondern mit Fahrrad und ÖPNV zurechtkommen, die brauchen das Carsharingfahrzeug halt auch nur außerhalb der Berufsverkehrszeiten.

Übrigens werden auch im SPON-Artikel einige Bedenken an der Studie geäußert. Nichtsdestoweniger: ich denke, daß sich ÖPNV, Fahrrad und Carsharing nicht gegenseitig ausschließen. Ich lebe derzeit in Karlsruhe, einer der Städte mit sowohl einem recht dichten Carsharingangebot und einem sehr guten ÖPNV (trotz des aktuellen Baustellenchaos). Die ÖPNV-Versorgung hat dazu geführt, daß ich mein Privatauto nur noch sehr selten benutzt habe: Selbst für ein reines Freizeitfahrzeug sind zwei Urlaubsfahrten im Jahr zu einfach wenig um die Mechanik am Laufen zu halten und die Standkosten zu rechtfertigen. Stadtmobil bietet mir hier nicht nur das entsprechende Nachfolgemodell, sondern eben auch mal einen Transporter oder was ich auch immer gerade an Fahrzeugklasse brauche. Aber all das sind Ausnahmefahrten – die regulären Fahrten erledige ich auch weiterhin mit Strassenbahn.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Verrosteter_Trabant_(1).jpg

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