Der böse Sparer

Dieser Tage tauchten diverse Meldungen bzgl. der aktuellen Niedrigzinslage auf:
Zeit Online: “Warum der Deutsche gern verliert”
Spiegel Online “Hört endlich auf zu sparen!”
Die Aussagen:

Nach Abzug der Inflation legt jeder Sparer drauf, er verliert Jahr für Jahr einen Teil seines Geldes.

Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren…

Die Alternative zum Konsum ist: Sie gehen höhere Risiken ein und legen einen weitaus größeren Teil als heute in Wertpapieren an – allen voran in Aktien.

Auf dem Sparbuch schrumpft Ihr Vermögen ganz sicher – mit Aktien ist die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, aber sehr gering, gerade wenn Sie Ihr Geld über einen langen Zeitraum anlegen.

Da möchte ich mal aus eigener Erfahrung gegenargumentieren:

  1. Bei (klassischen) Festzinsanlagen wird mein Geld durch die Inflation aufgefressen. Bei Wertpapieranlagen wird das Geld vernichtet durch Inflation, Depotgebühren, Beratungsgebühren, Ausgabeaufschläge u.v.a
  2. Aktien- und fondbasierte Anlage erfordern ein gewisses dickes Fell gegenüber den Banken. Man muß hier lernen, Nein zu sagen, weil man ständig genervt wird, doch bitte hier oder dort umzuschichten, weil ein neues Papier ja sooo viel toller ist als die aktuell im Depot befindlichen. Gerade bei Fonds erwarte ich, daß der über die Gebühren teuer bezahlte Fondmanager mir diese Arbeit abnimmt. Wenn ich das Fondmanagement selber machen wollte wär ich jetzt nicht Softwareentwickler sondern Banker.
  3. Langfristige Anlagen wären ja schön, aber die Banken agieren eher wie “Strukturvertriebe”. Die Filiale, der Berater verdient am Abschluß eines Geschäfts, nicht am langjährigen Bestandskunden, der mit seinem bestehenden Portfolio zufrieden ist.
  4. Konsum hilft mir auch nicht, denn der Kauf von Dingen, die ich nicht brauche frißt mein Geld noch viel schneller als jede Inflation.
  5. Vielleicht sollten sich diejenigen, die jetzt versuchen, die Sparer panisch zu machen und diejenigen, die davon leben können, daß sich ihr geparktes Geld magisch vermehrt schon mal an die Idee des Schwundgeldes gewöhnen. Wachstum als Hauptkennzahl des Wirtschaftens funktioniert nur, solange noch ungenutzte Resourcen und Konsumentenpotentiale vorhanden sind. Durch die Globalisierung erreichen wir aber gerade eine Angleichung der Produktions- und Konsumverhältnisse auf der ganzen Welt, Wachstum ist bald nicht mehr möglich. Die Frage ist nun: Endet das zwanghaft vorangetriebene Wachstum im Kollaps? Oder schaffen wir es, eine wachstumsfreie, nachhaltige Wirtschaft aufzubauen?

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sparbuch.jpg

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