Höher, schneller, weiter

Vorhin beim Abendessen hab ich mal wieder durch den Focus geblättert. Titelthema: das Leben aufräumen. Aha, der Focus hat den Minimalismus auch entdeckt. Hab dann einen Artikel quergelesen und fand: ganz schlecht war er dann doch nicht. Wobei die Aussagen fast schon Allgemeinplätze sind.

Focus: “Das beständige Mehrhaben-Wollen, das Ihren existenziellen Entfaltungsraum einschränkt, betrifft nicht nur die Ordnung der Sie umgebenden Dinge. Vielmehr dürfte diejenige Verstelltheit, die Sie tatsächlich am meisten belastet, die Ihres eigenen Wollens und Strebens sein.”

Dieses Mehrhaben-Wollen entspricht ist das, über was ich schon in “Es muß doch mal genug sein” nörgelte. Ein evolutionärer Reflex, der sich lange als erfolgreicher Motor der Entwicklung erwies. Aber inzwischen haben wir einen Punkt erreicht, wo der Drehzahlbegrenzer einsetzen sollte. Stattdessen beschleunigt und verstärkt die Globalisierung mit ihren Kommunikations- und Transportmöglichkeiten die Rückkopplung noch. Von klein auf lernen wir, uns zu vergleichen, besser zu sein, mehr zu haben und die Werbung ruft: Du mußt, du mußt! Der Planet läuft im wahrsten Sinne des Wortes heiß. Und begrenzen uns nicht die externen Ressourcen sondern der eigene Körper, dann werden halt Drogen eingeworfen. Crystal Meth, die Globalisierungsdroge: höher, schneller, weiter, länger. Rückblickend erscheinen die friedlich kiffenden Hippies der 60er und 70er Jahre geradezu vernünftig. Andererseits ist es gerade diese Generation, die jetzt an der Macht ist und die uns mit neoliberalem Kapitalismus beglückt. Da in unserer wachstumssüchtigen Gesellschaft der Konsum quasireligiösen Status hat, gilt das Marx’sche Zitat von Religion als Opium des Volkes insbesondere für den Konsum. Oder wie es der Schlußsatz im Focus formuliert:

Focus: “In den aufgeräumten Momenten unseres Lebens wissen wir das alles. […] Ein Anfang wäre es zu begreifen, dass genau diese Momente unser Leben lebenswert machen – und nicht der ganze Mist und Schnickschnack, mit dem wir uns umgeben, um uns vom Wesentlichen abzulenken.”

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