Empfindungen

Einen sehr treffenden Satz habe ich letztens im Forum von Spiegel-Online gefunden:

Es wird heutzutage leider zu viel “empfunden” – und zu wenig nachgedacht.

Verdammte Axt, der Mann hat einfach recht. Wir spüren unserem Selbst nach, empfinden viele gute Dinge für Menschen (meist solche, die sehr weit weg sind) und auch für Tiere, bringen Seele und Geist in Einklang und suchen das Glück. Gleichzeitig haben wir keine Zeit mehr zum Nachdenken. Wir nerven Leute (meist solche, die ziemlich nah sind), wir kaufen Billigklamotten (aber wir haben Mitgefühl mit den armen Kindern in der Fabrik) und sind Weltmeister im Fleischverzehr (haben dabei ein schlechtes Gewissen wegen der Kälber mit den traurigen Augen). Man empfindet Furcht vor dem Islam, am meisten dort, wo es die wenigsten Ausländer gibt. Wir empfinden Abscheu gegenüber den “faulen Südländern” und hoffen gleichzeitig, einmal im Lotto zu gewinnen um unsere Arbeit an den Nagel zu hängen. Wir empfinden Angst vor dem nächsten Krieg, lassen uns aber trotzdem von den Lügen der Mächtigen einlullen. Unsere Jugend empfindet Veranwortung für die Welt und rettet sie doch nur, wenn sie dafür einen Seminarschein bekommt. Die Empfindung ist die globale Religion und das Opium unserer Zeit. El sueño de la razón produce sensaciónes.

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gyula_von_Benczur_Amor_mit_Wespe_1920.jpg

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One Response to Empfindungen

  1. larapalara says:

    Oh ja, der Mann hat wirklich recht. Und du auch. Guter Text!

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