Kleine Überraschung – ein Kameratest

1. Die Teilnehmer

Kamera Samsung
NX-500
Pentax K-01 Canon 5D3
Objektiv 16-50mm PZ 15mm/f4.0 Limited 24-105mm/f4.0 IS
Sensor 28MP APS-C 16MP APS-C 22MP Vollformat
Gewicht 400g 690g 1620g
Preis 700€ 1450€ 3500€

(Preise laut Amazon zum Zeitpunkt der Beitragserstellung; Gewicht laut Hersteller, jeweils ohne Akku.)

Wie bei jedem seriösen Vergleich ist auch hier ein gewisser Äpfel-und-Birnen-Effekt gegeben. Das Canon-5D3-Kit bietet mit optischem Sucher, Vollformatsensor und 30mm mehr Spielraum am langen Ende des Objektivs natürlich viel mehr fotografische Reserven als die APS-C-Kameras. Die Pentax K-01 wurde einst als reine Weitwinkelzweitkamera angeschafft und kann dementsprechend nur an den weitwinkligen Tests teilnehmen.

2. Das Ziel vom Ganzen

Erstens natürlich wie immer eine A-posteriori-Bestätigung der emotional getroffenen Kaufentscheidung.

Zweitens: Ich will einfach sehen, wo die NX-500 wirklich einzusortieren ist, sowohl im Vergleich zur K-01 mit 15mm/f4 als auch im Vergleich zu einer der aktuell erfolgreichsten Allround-Spiegelreflexkameras. Immerhin entsprechen 28MP auf einem APS-C-Sensor bzgl. Pixeldichte einem 65MP-Vollformatsensor. Das ist deutlich mehr als die aktuell hochauflösendsten Kameras der verschiedenen Hersteller bieten:

  • Canon 5Ds: 50MP
  • Nikon D810: 36MP
  • Sony A7R: 36MP

Gleichzeitig wagt sich die NX-500 mit einer auf 51200 erweiterbaren ISO-Empfindlichkeit in Regionen der Canon 5D3 vor. Sie versucht also definitiv bei den ganz großen Jungs mitzuspielen.

3. Das Testsetup

Die Aufnahmen wurden in freier Wildbahn von unbewegten Motiven gemacht. Mittels Stativ sollte ein ungefähr vergleichbarer Bildausschnitt sichergestellt werden, auch wenn das aufgrund unterschiedlicher Baugröße und abweichender Pixelzahlen nicht völlig möglich war.

Wie gewöhnlich interessieren mich nur die RAW-Dateien. Lightroom 5 beherrscht die RAW-Dateien der NX-500 allerdings noch nicht, daher mußte ich die Dateien zunächst nach DNG wandeln. Hierzu habe ich den Adobe-DNG-Konverter verwendet, um evt. automatische “Optimierungen” durch den Samsung-DNG-Konverter zu vermeiden.

Bis auf die Verzeichnungsbilder sind alle gezeigten Ausschnitte 100%-Crops mit ca. 700px Kantenlänge ohne nachträgliche Skalierung. Die leicht unterschiedliche Größe liegt daran, daß sich bei Lightroom der Crop nicht pixelgenau einstellen läßt. Für die Rauschtestbilder wurde die in Lightroom automatisch vorgegebene “Color-Noise”-Einstellung auf 0 zurückgestellt.

Was nicht getestet wurde: Videofunktionalität, AF-Geschwindigkeit, Gesichtserkennungs- und Selfiezeug, Kamerasteuerung übers Händi…

4. Bedienung

Für Fotografen ist die Referenz natürlich die Bedienung einer klassischen Spiegelreflexkamera: optischer Sucher, Räder und Knöpfchen. Die Pentax K-01 war da ein deutlicher Rückschritt: nur ein Rad, kein Sucher, manche Funktionen nicht optimal mit den vorhandenen Bedienelementen abgebildet. Die NX-500 geht hier einen deutlichen Schritt in die Zukunft. Zwei programmierbare Räder, zählt man die iFn-Funktion mit, sind es mit dem Objektivring sogar drei. Der Bildschirm ist hell und ausklappbar, an die Arbeit ohne Sucher hatte ich mich schon durch die Pentax gewöhnt. Besonderen Spaß macht das manuelle Fokussieren, da die Kamera sofort in die Lupenfunktion schaltet, sobald der Fokusring bewegt wird und weil die fokussierten Bereiche am Bildschirm sehr gut erkennbar sind. Die Touchfunktionalität führt bei Spiegelreflextraditionalisten zwar erstmal zu Strinrunzeln, ich fand sie dann aber erstaunlich intuitiv und hilfreich. Insbesondere werden so die doch recht zierlichen Knöpfe geschont. Für meine Wurstfinger ist die NX-500 auch die untere Grenze der Bedienbarkeit.

5. Verzeichnung

Aber auf zur ersten richtigen Testdisziplin. Die Pentax K-01 hatte ich mir einst aufgrund des Objektivs geholt: Weitwinkel mit wenig Verzeichnung, wenig CAs und brauchbarer Schärfe. Insbesondere bzgl. Verzeichnung halte ich das Pentax f4.0/15mm Limited immer noch für eins der besten Objektive und es gewinnt in diesem Test eindeutig.

Erstaunlicherweise kann jedoch das Samsung-Kitobjektiv hier als Zoom mithalten. Auf den Testbildern sieht man nur minimal stärkere Biegung. Ich habe bisher nicht herausfinden können, ob es Samsung tatsächlich gelungen ist, ein so perfektes Kit-Objektiv zu bauen oder ob hier mit schwärzester Magie hantiert wird, sprich mit Objektivkorrektur vorm Speichern der RAW-Datei.

Etwas enttäuscht hat mich das Abschneiden des Canonobjektivs EF 4.0/24-105 L IS, welches als L-Objektiv auch nicht gerade billig ist. Meine Feststellungen decken sich aber ziemlich mit den entsprechenden Ergebnissen auf Photozone.

Testbilder Verzeichnung

6. Chromatische Abberation

Einen eindeutigen Gewinner kann ich hier nicht ausmachen. Die CAs bei Pentax verschwinden schon in einer gewissen Randunschärfe. Am geringsten erscheinen sie mir bei Canon.

Testbilder Chromatische Abberation

7. Schärfe

So gut die Pentax auch ist, in dieser Disziplin muß sie sich den beiden anderen Kandidaten geschlagen geben. Canon 5D3 und Samsung NX-500 liegen erstaunlich gleich auf. Im Bildzentrum ist die Auflösung immer hervorragend, in den Ecken erscheint mir bei Weitwinkel die Canon knackiger, im Telebereich dann die Samsung. Es scheint also genug Spielraum für Ausschnittsvergrößerung gegeben zu sein.

Testbilder Schärfe im Weitwinkelbereich
Testbilder Schärfe im Telebereich

8. Rauschen

Das Bildrauschen war der für mich eigentlich interessante Punkt. Die K-01 konnte locker mit der Canon 5D2 mithalten, kann nun die NX-500 der 5D3 das Wasser reichen? Antwort: fast. Bis ISO 1600 ist das Rauschen bei allen Systemen unauffällig. Es fällt bei allen ISO-Werten auf, daß die 5D3 in den grauen Bildbereichen deutlich weniger rauscht als die beide APS-C-Kandidaten. Der Vorteil des Vollformatsensors ist hier unübersehbar. Das scheinbar höhere Rauschen der NX-500 gegenüber der K-01 relativiert sich, wenn man bedenkt, daß die NX-500 auch beinahe doppelt so viele Pixel hat wie die K-01.

Rauschverhalten

9. Zoom vs. Ausschnittsvergrößerung

In einem kleinen Nebentest habe ich mal probiert, ob die Auflösung der NX-500 ausreicht, die längere Brennweite des Canonobjektivs auszugleichen. Ergebnis: ganz knapp nicht. Das Fußgängerzonenzusatzschild ganz unten kann ich in der Canon-Version gerade noch lesen, in der Samsung-Version nicht mehr.

maximale Details

10. Fazit

Ich bin voll zufrieden. Wer eine kleine kompakte Kamera will muß Kompromisse eingehen. Insbesondere das Freistellen über Tiefenschärfe geht natürlich am besten mit Vollformatkameras und Objektiven mit großer Blendenöffnung, was aber großes und schweres Glas erfordert. Da aber die Offenblendeigenschaften am 50mm-Ende recht ordentlich aussehen, sollte ich hier mit der NX-500 auch auskommen.

Beim Preis-Leistungs-Verhältnis braucht sich die NX-500 definitiv nicht zu verstecken. Wie oben schon geschrieben ist es mir sehr rätselhaft, wie Samsung mit dem 3.5-5.6/16-50 PZ die hohe Auflösung des Sensors bedienen kann ohne in die klassischen Problemzonen von Kit-Zooms zu laufen.

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2 Responses to Kleine Überraschung – ein Kameratest

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