Need – Reason – Shop – Trash

Da ich unter meinem letzten Artikel so gelobt wurde für meine Haltung, möchte ich das Lob hiermit zwar nicht zurückweisen aber doch relativieren. Wenn ich seit einigen Jahren zunehmend weniger kaufe (und weniger wegwerfe), dann liegt das weniger an einem “religiösen” Minimalismus sondern ist eher indirekt begründet: die Faulheit, den ganzen Kram zu pflegen und zu hegen und der Widerwille, Sachen wegzuwerfen, die noch funktionieren. Das funktioniert natürlich nur, weil ich in der Stadt lebe, wo ich Verbrauchsmaterialien zeitnah nachkaufen kann, wenn ich sie brauche, wo ich mir das Stadtmobilauto mieten kann, wenn ich es brauche und wo ich meinen Küchenabfall faktisch externalisiere, weil ich als fauler Single fast nie daheim koche.

Die Just-in-time-Lagerhaltung hat natürlich auch ihre Herausforderungen, wenn, wie gerade jetzt z.B., die Bürohemden sich als abgetragen und an einigen Nähten verschlissen erweisen und in darum kurzer Zeit Ersatz her muß. Auf die Farbe ließ sich so kurzfristig keine Rücksicht mehr nehmen, da es offenbar nicht genug Leute gibt, die auch im Winter kurzärmlige Hemden kaufen. Zumindest waren die Hemden diesmal vom Bügel, d.h. ich mußte keinen Müllberg aus Folie, Versteifungsplastik, Pappen und Stecknadeln entsorgen. Die Haltbarkeit muß sich noch zeigen, ich hoffe mal auf mehr als ein Jahr. Ich gebe zu, ich bin skeptisch gegenüber dem Argument, daß hochpreisige Ware länger hält. Nach meiner Erfahrung stimme ich bzgl. Bekleidung zu, daß ganz billige Sachen nicht besonders gut verarbeitet sind. Aber besonders teure Sachen halten (zumindest bei mir) auch nicht länger. Den gerade dahingeschiedene Satz Bürohemden (Montag bis Donnerstag) hätte hätte ich auch gern noch länger getragen, das Freitagshemd anderer Provenienz ist nämlich schon länger in meinem Besitz und trotz gleichhäufiger Benutzung noch nicht kaputt.

Aber eigentlich ging es im Ursprungsartikel ja um Elektronikgadgets und im Kommentar auch um die Frage, ob man die überhaupt alle braucht. Jein 😉 Für vieles, wofür es heutzutage Apps gibt, reicht meistens auch der gesunde Menschenverstand (hier schön formuliert von Meike Winnemuth). Wenn ich meine aktuellen Elektronikgerätschaften mal so durchgehe, habe ich für viele Anschaffungen gute Gründe und trotzdem gefühlt schon eine ganze Menge Müll produziert:

  • Smartphone: In Benutzung seit Ende 2011, also jetzt vier Jahre. Wie im vorangegangenen Artikel beschrieben, wird jetzt der Akku schwach. Der ist zwar wechselbar, aber da das Betriebssystem schon deutlich veraltet ist, muß ich für den Alltagseinsatz nun doch ein neues kaufen. Das alte wird dann erstmal Bastelmaterial. Ürsprünglich hatte ich das Smartphone angeschafft, um auch tagsüber meine Email lesen zu können, insbesondere Vereinsmails, wenn z.B. ein Trainer ausfiel. WhatsApp, Facebook co. waren zwischenzeitlich unvermeidbar, sind aber aufgrund ihres Ablenkungsfaktors wieder vom Gerät verschwunden. In den vier Jahren haben sich aber andere Nutzungen herauskristallisiert, aufgrund derer ich nicht auf ein Smartphone verzichten möchte: Navigation, Wikipedia und nicht zuletzt die ständige Verfügbarkeit von Onlinewörterbüchern. Ich habe mir nämlich angewöhnt, Bücher auch in Fremdsprachen zu lesen, in denen ich nicht so flüssig bin wie in Englisch. Allerdings brauche ich eben dafür die Unterstützung von Onlinewörterbüchern.
    P.S.: Und bevor mir wieder jemand (ja, Du: Sonia T.) etwas unterstellt, sofern verfügbar versuche ich einsprachige Wörterbucher zu verwenden, ansonsten leo.org und nur unter Lebenssgefahr und Gewaltandrohung Google-Translate 😉
  • Tablet: In Benutzung seit Herbst 2012. Das war wohl ein wenig ein Langeweilekauf, vielleicht noch mit der Motivation, es als E-Book-Reader zu verwenden und um sonntagmorgens auf dem Balkon Internet zu haben ohne das Laptop aufzubauen. Die E-Book-Idee hat sich nicht durchgesetzt und auf dem Balkon hab ich dann doch oft das Laptop. Das Tablet ist dafür ein Reisebegleiter geworden: fürs Internet im Hotel und weil die Offline-Karten von Open Street Map darauf besser zu lesen sind als am winzigen Handybildschirm.
  • PC: Also die große Kiste unterm Schreibtisch 🙂 Den aktuellen habe ich 2009 angeschafft, weil der im Jahr 2004 zur Bildbearbeitung angeschaffte Vorgänger nicht mehr ganz zeitgemäß war. Aktuell läuft darauf Linux und er dient auch nicht mehr der Bildbearbeitung, sondern eher als Allround-Internet-Office-Rechner. Da sich alle halbe Jahr gewisse Instabilitäten bemerkbar machen und ich ihn dann entstauben und die Speicherriegelkontakte säubern muß, ist seine Pensionierung in Sicht. Wenn also demnächst jemand einen PC mit 4GB Ram und Athlon 4-Kern CPU geschenkt haben will… 😉
  • Laptop: 2012 stand ich vor der Wahl, entweder den oben genannten PC aufgrund gestiegener Bildbearbeitungsperformanceansprüche schon wieder auszutauschen (was ich unnötig fand) oder ihn aufzurüsten (wozu ich keine wirkliche Lust hatte). Da ich im einschlägigen Elektrogroßmarkt zufällig ein günstiges und leistungsfähiges Laptop fand, war dieser dritte Weg dann am günstigsten. Das Laptop soll in Kürze den Schreibtisch-PC ersetzen und wird dann selber einen Nachfolger bekommen, da ich mich an inzwischen an einen mobilen und leistungsstarken Zweit-PC gewöhnt habe.
  • Monitore: Der Plural ist wichtig – in der Softwareentwicklung und in der Bildbearbeitung kann man einfach nicht genug Bildschirmfläche haben. Die neueste Anschaffung war in diesem Jahr eine TV-/Monitor-Kombination. Die TV-Funktion brauchte ich, um den (übrigens 30 Jahre alten und immer noch funktionierenden) ATARI-8bit-Computer anschließen und wieder in Gang zu bringen zu können. Und da ich wußte, daß ich nur sporadisch zur ATARI-Bastelei käme und weil ich ansonsten auch nicht fernsehe, war mir wichtig, daß das Gerät auch als Monitor an den PCs taugt. Und wie “schriftwechsel” im Kommentar schreibt, daß “die Entscheidung für einen neuen Fernseher einen wochenlang in Anspruch nehmen kann” habe ich auch tatsächlich lange gebraucht, um das richtige, langzeittaugliche Gerät zu finden, insbesondere, da ich mich seit Jahren nicht mehr mit Fernsehern und den dazugehörigen Marketingschlagwörtern auseinandergesetzt hatte. Als Ausgleich habe ich übrigens einen meiner anderen Monitore zu meinen Eltern gebracht, wo vorher noch ein uralter Röhrenmonitor werkelte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz guter Gründe (bzw. Ausreden) ist eine ganze Menge von dem oben aufgezählten Zeug doch nur nice-to-have. Auch die vielen kleineren Gerätschaften, die mehr oder wenig häufig benutzt werden, für deren Anschaffung es auch gute Gründe gibt, die es aber doch nicht in die Liste oben geschafft haben. Ganz zu schweigen von dem ganzen Fotokram. Als wirklich notwendig würde ich nur das (ein) Laptop und das Smartphone sehen. Müßte ich mich auch dazwischen für eins entscheiden, hinge die Antwort davon ab, ob ich DSL habe. In diesem Fall würde ich das Laptop bevorzugen. Ohne DSL ist vermutlich ein Smartphone sinnvoller. Ganz ohne Internet geht es zwar heute durchaus noch, aber es wird zunehmend schwieriger.

Dann hoffe ich mal, daß ich den nächsten Artikel über meinen Elektronikmüll erst 2020 schreiben muß.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einkaufswagen.jpg

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Need – Reason – Shop – Trash

  1. Konsumtrends lassen sich auch bei Minimalisten wiederfinden. Und das finde ich nicht das Schlechteste. Lieber etwas Vernünftiges ( wenig in der Menge), auch wenn es teurer ist. In der Regel halten Produkte aus hochwertigerem Material eben doch etwas länger. Meist auch bei der Bekleidung ( insbesondere bei Schuhen ).
    Und das ist ja auch ein Schritt in die Richtung weniger Konsummüll.

    Im Zusammenhang mit Deinem Artikel bin ich auf den englischsprachigen Begriff LOVOS gestoßen. LOVOS bedeutet: lifestyle of voluntary simplicity. Immer mehr Menschen, insbesondere die jüngere Generation, verschreiben sich einem einfacheren Lebensstil. Ich beobachte dies unmittelbar im Bekanntenkreis – immer öfters tauchen konsum- und wachstumskritische Haltungen auf.

    Wenn ich nach Deiner Technikbeschreibung meine Einstellung dazu wieder einmal reflektiere, stelle ich fest, ich bin ein Zwitter. Und was das Internet anbelangt, das ist für mich eine Bereicherung. Jedoch: obacht. Zeitmanagement sollte man beherrschen! ( Das geht mir schon manches Mal flöten 😉 ).

    Bewusst mit seinem Besitz umgehen und man behält im Leben nicht nur das eigene Gleichgewicht. 🙂

  2. nachgeschoben ( schon wieder 😉 ): ¡uǝʇlɐɥǝq ǝƃnɐ ɯı ɥɔı ǝpɹǝʍ llüɯʞıuoɹʇʞǝlǝ ɯǝuıǝp nz ƃunƃıpuüʞuɐ ǝıp

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s