Wie man Kunden vergrault, Nr. 4

…und wieder hatte ich das Vergnügen, unerwünschte personalisierte Werbung im Briefkasten zu finden. Diesmal ist der Absender der SOS Kinderdorf e.V. aus München. Der sofortigst eingeleitete Widerspruch führte mich diesmal deutlich tiefer ins Labyrinth von Adresshändlern und Marketingdienstleistern. Aber der Reihe nach:

  • Ende September: Das erste Schreiben des SOS Kinderdorf liegt im Briefkasten. Die entsprechende Widerspruchsmail ging sofort raus.
  • 29. September bis 1. Oktober: Die Antwort von SOS Kinderdorf und dem in CC gesetzten Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht treffen ein. Die Aussage etwa gleichlautend: auch ohne Vertragsverhältnis mit dem Absender kann man gegen den ersten Brief nix machen, dann muss man selbst Widersprechen.

    LDA Bayern: Der Gesetzgeber hat die Werbung per Briefpost sowie den Adresshandel auch mit der letzten Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes ausdrücklich zugelassen, d.h. die Briefwerbung ist gemäß § 28 Abs. 3 Satz 2 BDSG grundsätzlich auch ohne Einwilligung des Betroffenen zulässig, wenn diese Daten im Rahmen eines Vertragsverhältnisses erhoben und verarbeitet oder aus einem öffentlichen Verzeichnis, wie dem Telefonbuch oder einem Adressbuch, entnommen wurden. Danach dürfen Unternehmen Werbesendungen per Briefpost verschicken bis der Werbeempfänger einen entsprechenden Werbewiderspruch (§ 28 Abs. 4 BDSG) eingelegt hat. Auch beim Adresshandel ist die Nutzung und Übermittlung von bestimmten Daten für Werbezwecke ohne Einwilligung der Werbeempfänger möglich, d.h. ein Adresshändler kann die Werbesendung im Auftrag eines anderen Unternehmens an seinen Adressbestand versenden oder die Adresse z.B. zur einmaligen Nutzung vermieten oder ganze Datensätze verkaufen.

    SOS Kinderdorf: Zum 1. September 2009 ist die Bundesdatenschutznovelle II in Kraft getreten. Dabei dürfen steuerbegünstigte Hilfsorganisationen, wie wir, weiterhin auch ohne vorherige Einwilligung des Empfängers für Spenden in Form von personalisierten Briefen werben.

    Weiterhin nannte der SOS Kinderdorf seinen Marketingdienstleister, die panadress marketing intelligence GmBH in München. Die entsprechende Auskunftsanfrage und Löschaufforderung ging natürlich sofort raus. Aus Interesse erstmal ohne das LDA Bayern im CC.

  • 25. Oktober: Ich bin wieder aus dem urlaub zurück. Keine Antwort von panadress. Also habe ich eine Erinnerungsmail abgeschickt, diesmal CC ans das Landesdatenschutzamt.
  • 27. Oktober: Die Antwortmail vom Datenschutzamt trifft ein sowie eine weitere Werbesendung vom SOS Kinderdorf.
  • 28. Oktober: Die panadress antwortet mit Absendedatum 27. Oktober bezugnehmend auf meine Mail vom ersten Oktober. Das heißt entweder, daß sie so überarbeitet sind, daß die einfache Sperranfrage drei Wochen Bearbeitungszeit braucht. Oder, daß erst die Kopie ans LDA Bayern genug Druck aufgebaut hat. Als Quelle meines Adressdatensatzes wird die GECKO matching GmbH, Liebfrauenstr. 6, Buxtehude genannt.

Mit der GECKO fängt der Spaß nun an. Googelt man nach “GECKO matching GmbH Buxtehude” findet man fast nur Ergebnisse zu einer “GECKO international GmbH”. Diese wird in einigen Adressverzeichnissen unter der Adresse Liebfrauenstr. 6 in Buxtehude gelistet. Laut ihrer Webseite ist der Firmensitz aber Krebsaueler Strasse 49 in Lohmar. Andererseits ist die GECKO international ein Marketinguntenehmen und sie hat in der Partnerliste die panadress aufgelistet. Meine Email wurde verdächtig schnell mit Verweis auf die GECKO matching beantwortet. Wieder nur Postadresse, keine Email, kein Internetauftritt. Googelt man nun etwas intensiver, stößt man auf folgende beiden Einträge im Handelsregister:

Daraus ergibt sich folgende Timeline:

  • 22.02.2011: Eintragung GECKO selections GmbH, Neu Wulmstorf, Otto-Holst-Straße 11; Geschäftsführer David Anthony
  • 30.01.2012: Eintragung GECKO Matching GmbH, Neu Wulmstorf, Otto-Holst-Straße 11; Geschäftsführer David Anthony
  • 03.06.2014: Umbenennung in Gecko selection GmbH in GECKO international GmbH
  • 14.11.2014: Umzug GECKO international GmbH nach Liebfrauenstraße 6, 21614 Buxtehude
  • 14.11.2014: Umzug GECKO Matching GmbH nach Liebfrauenstraße 6, 21614 Buxtehude
  • 06.01.2015: Nicht mehr Geschäftsführer der GECKO international GmbH: David Anthony
  • 28.10.2015: Umbenennung GECKO Matching GmbH in b2c-performance GmbH, Bahnhofstraße 48-50, 21614 Buxtehude

Das könnte man so interpretierten, als ob hier für querulante Kunden eine Pingpongsituation aufgebaut wurde. Allerdings könnten die Einträge 2015 auch bedeuten, daß sich David Anthony von der GECKO international getrennt hat und nun auch den Namen GECKO nicht mehr verwendet.

Fazit: Daß der SOS Kinderdorf e.V. einen externen Adresshändler beschäftigt hinterläßt einen sehr schalen Geschmack. Spenden sollen den Bedürftigen zugute kommen, keinen ominösen Adresshändlerfirmen. Ich werde meine Forschungen an der Stelle abbrechen und kein Geld für Einschreiben rauswerfen. Ich habe die Sperrungszusage von panadress vorliegen, probehalber habe ich mich auch in die Robinsonliste eingetragen und wenn beiden Sperren ziehen, sollte spätestens im Januar Ruhe sein. Notfalls gibt es neue Erinnerungsmails mit CC ans LDA Bayern.

Übrigens hat die letztens von mir in dieser Reihe kritisierte Aktion Sorgenkind die Werbeadressen wohl selber verwaltet und konnte die Sperrung direkt vornehmen. Darum hier nachträglich ein Lob.

Bildquelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:London_human_billboards_Scharf.jpg

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